Testosteron-Überschuss
Kartenhagel
und fliegende Fäuste im und nach hitzigem U17-Oberliga-Fight
Fußball oder doch Preisboxen? So ganz wusste man nicht, in welcher Sportart sich
einige Beteiligte da auf der grünen Kunstwiese im Stadion Hoheluft übten. Fliegende
Fäuste und insgesamt fünf (!) rote Karten ließen den U17-Oberliga-Kick zwischen
dem SC Victoria und dem SV Rugenbergen jedenfalls zu einer echten Farce
eskalieren.
Tabellarisch waren die Rollen nicht nur im Vorfeld klar verteilt. Denn nach
anfänglicher Beobachtungsphase eröffnete der SVR als Mitglied der Tabellenführer-Verfolgergruppe
das Feuer auf den Vicky-Kasten, den Jarmo Madeee im Abtauchen gegen einen
Lamoller-Distanzschuss erstmals zu verteidigen hatte (13.).
Ähnliches war dem großgewachsenen Goalie auch im Duell mit Maximilian Pein gelungen,
doch das Verkürzen des Winkels sollte nur eine Fußnote dieser Szene blieben.
Johann Lamoller war nämlich mitgelaufen und versenkte den zweiten Ball am
langen Pfosten zum nicht unverdienten 0:1 (20.).
Immer wieder schickten sich die Gäste in der Folge an, den Vorsprung zu
verdoppeln, doch ohne die letzte Entschlossenheit im Abschluss ließ man den
traditionell extrem hoch verteidigenden Aufsteiger doch am Leben. Und kaum
hatte dieser personell gleich dreifach umgestellt (34.), war neben einer klar
verbesserten Defensivstruktur auch im Spielaufbau etwas Konsistenz zu erkennen.
Vor allem brachte Victor Ende mal etwas Dynamik ins Geschehen, was den Joker
prompt zum Torvorbereiter machte. Über rechts einmal durchgestartet, bediente
er Finley Dresemeyer, der auch aus der direkten Bewegung nichts an seiner
Treffsicherheit einbüßt – 1:1 (45.+5)!
Ein Zwischenstand, der auch zu Beginn des zweiten Abschnitts trotzdem weiter schmeichelhafter
Natur war. Vor allem deswegen, weil es die Bönningstedter verstanden, nach
jedem Vicky-Fehler sofort ins pfeilschnelle Umschalten zu kommen. So legte sich
der SCV das 1:2 per Ballverlust quasi selbst ins Nest. Jacob Jahns war
plötzlich mit großen Schritten im Zwei-gegen-Zwei angekommen, zog nach innen
und versenkte höchst selbst gegen Madees Laufrichtung zur erneuten Führung
seiner Rot-schwarzen (53.).
Von nun an rückten Technik und Taktik mehr und mehr in den Hintergrund. Die
Zweikampfintensität stieg und mit ihr auch der Diskussionsbedarf der
Betroffenen und derer, die sich auf den Rängen als solche fühlten. Der
Kartenhagel des überforderten Jungschiedsrichters begann und mit ihm wurde es
fast logischerweise etwas übersichtlicher auf dem Platz. Als erstes erwischte
es Vickys Josh Tietje mit der wohlverdienten Zeitstrafe (Rudelbildung +
Foulspiel, 69.), ehe ihm mit Kaan Yildirim (zweimal Foul) der eigene Kapitän
temporär an den Spielfeldrand folgte (72.). Wie gut, dass sich der
Schiedsrichter bei der ersten Hinausstellung noch regeltechnisch korrigieren
ließ, hatte er Tietje per im Jugendbereich nicht vorgesehener „Ampelkarte“
eigentlich für den Rest der Partie ausgeschlossen…
Mit Tietje, der zwischendurch Gäste-Schlussmann Frederic Poll einmal aus 18
Metern herausforderte (65.), aber wenig später ohne seinen Kollegen Luka Malic,
der seine Grätsche im Mittelfeld deutlich zu spät ansetzte (glatt Rot, 74.),
ging es in die Schlussphase, in der es der SV Rugenbergen nicht vermochte, den
Sack durch Jahns vorzeitig zuzumachen (80. & 80.+7). Zu allem Überfluss
verlor der SVR mit Merd Marhan ebenfalls einen Akteur an einen Feldverweis auf
Dauer, der angesichts des Einsteigens von der Seite reichlich überzogen
daherkam (80.+3.).
Als überzogen darf bei aller Freude über den letztlich knappen Auswärtserfolg
auch Lamollers demonstrativer Jubel ins Gesicht von Gegenspieler Arthur Richard
bezeichnet werden. Dass der erst in der Nachspielzeit eingewechselte
Victorianer dies mit physischer Gewalt quittierte, geht jedoch ebenfalls über
das verständliche Maß hinaus. Was daraus folgte: Massengerangel, Geschubse,
Geschlage; pubertierende Halbstarke im Würgegriff ihres Testosteronüberschusses.
Richard und Mitspieler Bruno Armour erhielten daher zu Recht noch den roten
Karton – ebenso wie Lamoller, dessen Disziplinarstrafe allerdings keine
Erwähnung in den Online-Eingaben des Schiedsrichters fand. Ein Einsatz des
wenig vorbildhaften Spielführers am kommenden Pokalsamstag beim Landesligisten
SC Sternschanze ist daher durchaus wahrscheinlich.
Gott sei Dank erst am Sonntag schlägt derweil der wieder einmal disziplinarisch
fragwürdig aufgetretene SC Victoria an der Sternschanze auf, wenn ebenfalls im
U17-Pokal die dankbare Aufgabe gegen die klassentiefere SCS-Zweite auf dem
vorweihnachtlichen Restprogramm 2024 steht.
Tore: 0:1 Lamoller (20.
Pein), 1:1 Dresemeyer (45.+5, Ende), 1:2 Jahns (53.)
Zeitstrafen: Tietje (69.,
Rudelbildung + Foulspiel), Yildirim (72., wiederholtes Foulspiel) – keine
rote Karten: Malic (74., grobes
Foulspiel), Richard (nach Spielende, Tätlichkeit), Armour (nach Spielende,
Tätlichkeit) – Marhan (80.+3, grobes Foulspiel), Lamoller (nach Spielende,
Tätlichkeit)
Schiedsrichter: Finn Louis Oberdörfer
(Hamburger SV, Note 6: bekam den Laden ohne stabile Persönlichkeit und
Präsentation gegenüber den Spielern überhaupt nicht in den Griff, hinzu mit einem
Regelfehler bei Tietjes gelb-roter Karte (69.) und der Fehleinschätzung von Marhans
Einsteigen von der Seite als grobes Foul (80.+3), warum bereits in der wenig
unterbrochenen ersten Halbzeit acht Minuten nachgespielt wurden, war indes
ebenso wenig nachvollziehbar.)
Zuschauer: 75
Sonntag, 8. Dezember 2024
Spielbericht SC Victoria Hamburg 1.B - SV Rugenbergen 1.B
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