Sonntag, 8. Dezember 2024

Spielbericht SC Victoria Hamburg 1.B - SV Rugenbergen 1.B

Testosteron-Überschuss
Kartenhagel und fliegende Fäuste im und nach hitzigem U17-Oberliga-Fight

Fußball oder doch Preisboxen? So ganz wusste man nicht, in welcher Sportart sich einige Beteiligte da auf der grünen Kunstwiese im Stadion Hoheluft übten. Fliegende Fäuste und insgesamt fünf (!) rote Karten ließen den U17-Oberliga-Kick zwischen dem SC Victoria und dem SV Rugenbergen jedenfalls zu einer echten Farce eskalieren.
Tabellarisch waren die Rollen nicht nur im Vorfeld klar verteilt. Denn nach anfänglicher Beobachtungsphase eröffnete der SVR als Mitglied der Tabellenführer-Verfolgergruppe das Feuer auf den Vicky-Kasten, den Jarmo Madeee im Abtauchen gegen einen Lamoller-Distanzschuss erstmals zu verteidigen hatte (13.).
Ähnliches war dem großgewachsenen Goalie auch im Duell mit Maximilian Pein gelungen, doch das Verkürzen des Winkels sollte nur eine Fußnote dieser Szene blieben. Johann Lamoller war nämlich mitgelaufen und versenkte den zweiten Ball am langen Pfosten zum nicht unverdienten 0:1 (20.).
Immer wieder schickten sich die Gäste in der Folge an, den Vorsprung zu verdoppeln, doch ohne die letzte Entschlossenheit im Abschluss ließ man den traditionell extrem hoch verteidigenden Aufsteiger doch am Leben. Und kaum hatte dieser personell gleich dreifach umgestellt (34.), war neben einer klar verbesserten Defensivstruktur auch im Spielaufbau etwas Konsistenz zu erkennen. Vor allem brachte Victor Ende mal etwas Dynamik ins Geschehen, was den Joker prompt zum Torvorbereiter machte. Über rechts einmal durchgestartet, bediente er Finley Dresemeyer, der auch aus der direkten Bewegung nichts an seiner Treffsicherheit einbüßt – 1:1 (45.+5)!
Ein Zwischenstand, der auch zu Beginn des zweiten Abschnitts trotzdem weiter schmeichelhafter Natur war. Vor allem deswegen, weil es die Bönningstedter verstanden, nach jedem Vicky-Fehler sofort ins pfeilschnelle Umschalten zu kommen. So legte sich der SCV das 1:2 per Ballverlust quasi selbst ins Nest. Jacob Jahns war plötzlich mit großen Schritten im Zwei-gegen-Zwei angekommen, zog nach innen und versenkte höchst selbst gegen Madees Laufrichtung zur erneuten Führung seiner Rot-schwarzen (53.).
Von nun an rückten Technik und Taktik mehr und mehr in den Hintergrund. Die Zweikampfintensität stieg und mit ihr auch der Diskussionsbedarf der Betroffenen und derer, die sich auf den Rängen als solche fühlten. Der Kartenhagel des überforderten Jungschiedsrichters begann und mit ihm wurde es fast logischerweise etwas übersichtlicher auf dem Platz. Als erstes erwischte es Vickys Josh Tietje mit der wohlverdienten Zeitstrafe (Rudelbildung + Foulspiel, 69.), ehe ihm mit Kaan Yildirim (zweimal Foul) der eigene Kapitän temporär an den Spielfeldrand folgte (72.). Wie gut, dass sich der Schiedsrichter bei der ersten Hinausstellung noch regeltechnisch korrigieren ließ, hatte er Tietje per im Jugendbereich nicht vorgesehener „Ampelkarte“ eigentlich für den Rest der Partie ausgeschlossen…
Mit Tietje, der zwischendurch Gäste-Schlussmann Frederic Poll einmal aus 18 Metern herausforderte (65.), aber wenig später ohne seinen Kollegen Luka Malic, der seine Grätsche im Mittelfeld deutlich zu spät ansetzte (glatt Rot, 74.), ging es in die Schlussphase, in der es der SV Rugenbergen nicht vermochte, den Sack durch Jahns vorzeitig zuzumachen (80. & 80.+7). Zu allem Überfluss verlor der SVR mit Merd Marhan ebenfalls einen Akteur an einen Feldverweis auf Dauer, der angesichts des Einsteigens von der Seite reichlich überzogen daherkam (80.+3.).
Als überzogen darf bei aller Freude über den letztlich knappen Auswärtserfolg auch Lamollers demonstrativer Jubel ins Gesicht von Gegenspieler Arthur Richard bezeichnet werden. Dass der erst in der Nachspielzeit eingewechselte Victorianer dies mit physischer Gewalt quittierte, geht jedoch ebenfalls über das verständliche Maß hinaus. Was daraus folgte: Massengerangel, Geschubse, Geschlage; pubertierende Halbstarke im Würgegriff ihres Testosteronüberschusses. Richard und Mitspieler Bruno Armour erhielten daher zu Recht noch den roten Karton – ebenso wie Lamoller, dessen Disziplinarstrafe allerdings keine Erwähnung in den Online-Eingaben des Schiedsrichters fand. Ein Einsatz des wenig vorbildhaften Spielführers am kommenden Pokalsamstag beim Landesligisten SC Sternschanze ist daher durchaus wahrscheinlich.
Gott sei Dank erst am Sonntag schlägt derweil der wieder einmal disziplinarisch fragwürdig aufgetretene SC Victoria an der Sternschanze auf, wenn ebenfalls im U17-Pokal die dankbare Aufgabe gegen die klassentiefere SCS-Zweite auf dem vorweihnachtlichen Restprogramm 2024 steht.

Tore: 0:1 Lamoller (20. Pein), 1:1 Dresemeyer (45.+5, Ende), 1:2 Jahns (53.)

Zeitstrafen: Tietje (69., Rudelbildung + Foulspiel), Yildirim (72., wiederholtes Foulspiel) – keine

rote Karten: Malic (74., grobes Foulspiel), Richard (nach Spielende, Tätlichkeit), Armour (nach Spielende, Tätlichkeit) – Marhan (80.+3, grobes Foulspiel), Lamoller (nach Spielende, Tätlichkeit)

Schiedsrichter: Finn Louis Oberdörfer (Hamburger SV, Note 6: bekam den Laden ohne stabile Persönlichkeit und Präsentation gegenüber den Spielern überhaupt nicht in den Griff, hinzu mit einem Regelfehler bei Tietjes gelb-roter Karte (69.) und der Fehleinschätzung von Marhans Einsteigen von der Seite als grobes Foul (80.+3), warum bereits in der wenig unterbrochenen ersten Halbzeit acht Minuten nachgespielt wurden, war indes ebenso wenig nachvollziehbar.)

Zuschauer: 75



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