Die
Mentalität siegt
Kellerkind
SV Lurup macht enttäuschenden Schanze-2008ern den Garaus
Als Rudi Völler, damals Teamchef der Deutschen National-Elf, anno 2003 dem
TV-Journalisten Waldemar Hartmann nach dem mageren 1:1 auf Island live vor
Millionenpublikum die Meinung geigte, stand die Geburt Jungs aus Schanzes
U18-Landesligateam noch weit in den Sternen. Doch trotz der Lehre aus dem
ikonischen Weißbier-Interview, mit dem Wörtchen „Tiefpunkt“ eher vorsichtig zu
sein und nicht „alles in den Dreck zu ziehen“, bleibt dem neutralen Beobachter
nach dem desaströsen 2:4 gegen das Kellerkind aus Lurup irgendwie keine andere
Option.
Wer sich dem Dargebotenen dennoch positiv nähern will, könnte sich zumindest an
Kleon Lorenz´ Führungstor zum 1:0 hochziehen, nagelte der Offensivmann einen
Freistoß in Strafraumnähe passgenau unter das Quergebälk (10.), um nach einer
halben Stunde mit dem Gegner als Bande das zweite SCS-Hurra für den in der
Mitte richtig spekulierenden Janes Djau vorzubereiten. Freude bei Ex-Luruper Djau
über sein Tor, das Milo Götzes zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer im
Nachsetzen bei einem von Shivnath Arora parierten Roshanzada-Versuchs (15.)
wieder egalisierte.
Von den Spielanteilen her ein nicht unverdientes Zwischenergebnis, doch mit
erschreckenden Ungenauigkeiten im Passspiel und einigen falschen Entscheidungen
mit der Kugel am Fuß brachten sich die Wasserturmkicker jedoch um mehr Szenen,
wie eine geradlinig über links vorbereitete Djau-Schusschance aus der 40.
Minute.
Stattdessen ging gegen robust engagierte West-Hamburger zunehmend der Zugriff
verloren, sodass bereits zu Halbzeit das 2:2 in der Luft lag. Weil Alparslan
Kaya beispielsweise aber nur den Pfosten traf (41.), blieb es beim
Pausen-Vorsprung für Marineblau.
Um diesen war´s dann aber rasch nach dem Seitenwechsel geschehen, als ein
Einwurf auf links zu viel des Überraschungseffekts lieferte und Ali Roshanzada sein
Duell mit Till Steinfeld trotz der zunächst schlechteren Position mit Treffer
für sich entscheiden konnte (47.).
Schanze jetzt wieder voll gefordert, aber oft zu statisch oder ohne den Blick
für die einfache Lösung über den ballnahen Mitspieler.
So war es der Tabellenvorletzte, der den langen Leerlauf mit einem verfehlten
Abschluss durch Yonatan Kesete zu beenden wusste (74.) und damit nur andeutete,
was drei Minuten später geschehen sollte. Lang und länger segelte ein Freistoß
von links diagonal rüber zu Las Djalo, der kaum beachtet tatsächlich das
umjubelte 2:3 besorgte (77.).
Jeder gewonnene Zweikampf, jede gute Aktion setzte an diesem Samstagnachmittag
positive Energie bei den seit über zwei Monaten sieglosen Lurupern frei,
während die Schanzer weiter mit dem Kopf gegen die Wand liefen. Passend setzte
es kurz darauf den Bilderbuch-Konter zum 2:4-Endstand, den Roshanzada auf
Hereingabe des herausragenden Götze in der Mitte klar machte (80.).
Erst in der Nachspielzeit versprühte die spürbar frustrierte Heim-Elf durch
Halbchancen immerhin einen Hauch von Torgefahr, doch heute siegte das Team mit
der besseren Mentalität. Der Lohn des SV Lurup dafür: der Sprung über den
Abstiegsstrich auf Rang neun, wo man sich nun als Tabellennachbar des SCS (8.)
wiederfindet.
Tore: 1:0 Lorenz (10.,
direkter Freistoß), 1:1 Götze (15. Roshanzada), 2:1 Djau (30. Lorenz), 2:2
Roshanzada (47.), 2:3 Djalo (77.), 2:4 Roshanzada (80. Götze)
Schiedsrichter: Dr. Ahmed Sharaf (SC
Victoria Hamburg)
Zuschauer: 22
Samstag, 29. November 2025
Spielbericht SC Sternschanze 1.A - SV Lurup 1.A
Samstag, 8. November 2025
Spielbericht SC Sternschanze 1.A - FC Voran Ohe 1.A
SCS
bleibt sich treu
„ängstliches
Agieren“: Schanze gefährdet seinen Durchschnittssieg
Durchschnittlich 4:3,67 endet die Partie, wenn die 2008er des SC Sternschanze
in der U18-Landesliga an den Start gehen. Das wilde 4:3 gegen den FC Voran Ohe
folgte demnach also voll den Gesetzen der Mathematik.
Diese standen allerdings zunächst auf Seiten des Überraschungsdritten aus dem
Osten des HFV-Gebiets. Ein Ballverlust Till Steinfelds im Dribbling plus Stefan
Feuerrohrs lockerer Rechtsschuss in die Maschen ergaben das 0:1 mit der ersten
erwähnenswerten Szene des trüben Novembernachmittags (9.).
Schnelle Aufhellung erlebte Schanzen-Gemüt schon kurz darauf, als Anton Kuhlmanns
Freistoßflanke auf dem Haupt von Marvin Bonsu landete und dessen Kopfstoß zum
Gleichstand ins lange Eck durchrutschte (12.).
Viele Chancen ergaben sich in der Folge nicht. Der SCS zwar mit etwas mehr
Ballbesitz, aber etwas zu statischem Spiel, während die Oher auf hohe Bälle und
Distanzversuche setzten. So musste Schanzen-Goalie Enno Gloßner bei einem ballistischen
Standard mit vollem Einsatz gegen Feuerrohr blockieren (37.), ehe Leon Kröger
aus 25 Metern den Pfosten traf (40.).
Als die Hausherren dann aber einmal kreativ das vordere Drittel bespielten, war
die Pausenführung prompt erzielt. Über die Stationen Spöhrer und Bonsu erhielt
der eingewechselte Simon Ester die halbrechte Schussposition, die sich der
baumlange Kerl nicht entgehen ließ (41.).
Wenig Zwingendes spielte sich, abgesehen von Esters gefühlvoll daneben
gesegeltem Rechtsaußenversuch (63.), nach dem Seitentausch ab, bis Theo Spöhrer
die Kugel von links in den Sechzehner brachte, der sonst formidable Oskar
Blackert das Leder suboptimal prallen ließ und wieder Bonsu dort auftauchte, wo
ein Torjäger zu stehen hat – 3:1 (69.)!
Die Schanzen-Elf vor einem gesicherten Heimerfolg, doch die Dinge kamen anders.
„Trotz Sieg ist es nicht okay, dass wir trotz überzeugendem Auftreten es
nochmal so spannend machen!“, schimpfte Kuhlmann über das, was seine Farben
fortan auch als „mit Abstand bessere Mannschaft“ zugelassen hatten. Vor dem
eigenen Strafraum auf die Nase gefallen, ermöglichte Janoe Embalo dem Gegner
das verkürzende 3:2 durch Burhan Osman Mohamed (75.), ehe Marineblau auch bei Fabian
Gebhardts Schuss ans Außennetz ordentlich schwamm (77.).
Die Quittung für das „ängstliche Agieren nach dem Anschlusstreffer“ folgte
schließlich kurz darauf. Kröger erfuhr über rechts keinen Gegnerdruck, Gloßner
wehrt nur nach vorne ab und Gebhardt durfte es nach geblocktem Zentralversuch
gleich nochmal. Treffer im zweiten Anlauf versenkt – 3:3 (84.)!
Kuhlmann und Co bewiesen aber Nehmerqualitäten, den „verdienten und
langersehnten Sieg“ „mit viel Kampfgeist und Ehrgeiz“ doch noch an Land zu
ziehen. Zentrumsspieler Kuhlmann initiierte die schnelle Antwort höchstpersönlich
gegen drei Mann von hinten heraus, bekam den Ball „im perfekten Moment“ von
Janes Djau zurück, zog per Finte am Verteidiger vorbei und bereitete das
umjubelte 4:3 mit dem flachen Zuspiel in die Mitte vor. Zwar wurde dort „zweimal
am Ball vorbeigetreten“, doch „hinten am zweiten Pfosten“ gab es mit Ester
einen Mitstreiter, „der perfekt lauert und ihn dann reinschiebt“.
Bevor der dritte Saisondreier aber eingefahren war, galt es noch einen hohen
Freistoß des Gegners zu überstehen. Ein Unterfangen, das bei Mattis Koops´
Kopfball nur durch Noah Vukelic und dessen Rettung auf der Linie glückte
(90.+1). „Wir müssen weiter hart daran arbeiten, vor allem individuelle Fehler
zu vermeiden und auch die gegnerischen Standards besser zu verteidigen!“,
fordert Kuhlmann, angesprochen auf die bunte Tordifferenz, die „nichts Gutes
über unsere Defensivleistung aussagt“, nicht zu Unrecht.
Für heute sollte es am Ende jedoch reichen, für den dritten Dreier im sechsten
Spiel. Platz neun. Eine Zwischenplatzierung, die die Rückennummer zehn allerdings
nicht wirklich tangiert, da es „keinen Sinn macht, so früh in der Saison schon
auf die Tabelle zu schauen“. Nach einem „harten Saisonauftakt“, bei dem Schanze
„lange unter den eigenen Möglichkeiten“ agierte und „Spiele immer sehr
unglücklich liefen“, „(…) ist noch alles drin. Gerade, weil wir spielerisch
eine der besten Mannschaften sind, jede Woche immer besser zusammenfinden und
mehr und mehr zum Team werden. „Wir müssen diese Leistung und Intensivität aus
der letzten Woche mitnehmen und beibehalten, dann ist noch alles möglich“, so
Kuhlmann, der eher in Prozessen, als in Tabellenplätzen denkt, über die
Marschrute für die kommende Zeit – die mit einem Wiedersehen beginnen wird: Im
Pokal geht es am kommenden Sonntag wieder gegen Voran Ohe…
Tore: 0:1 Feuerrohr (9.),
1:1 Bonsu (12. Kuhlmann), 2:1 Ester (41. Bonsu), 3:1 Bonsu (69. Spöhrer), 3:2
Mohamed (75. Kröger), 3:3 Gebhardt (84. Kröger), 4:3 Ester (86. Kuhlmann)
gelbe Karten: Djau, Vukelic – Koops,
Scholz
Schiedsrichter: Hasan Biyikli (VfL
Hammonia, Note 2)
Zuschauer: 60

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