Dienstag, 30. September 2025

Spielbericht FC Alsterbrüder III - VfL Hammonia III

Varettos kitschiger Abschiedstango
Doppelpack und Pokal-Derby-Sieg vor der Argentinien-Rückkehr  

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beschloss die dritte Mannschaft des VfL Hammonia ihren wirklich bemerkenswert erfolgreichen September. In der Liga zehn Punkte aus vier Spielen und im Pokal schossen sich die Kicker aus dem Schanzenviertel im Derby gegen die Alsterbrüder-Dritte sauber ins Achtelfinale.
Alles im Lot, beim VfL, wäre da nicht der wehmütige Abschied von „Hammonia-Legende“ Gaston Varetto, den es nach knapp drei Jahren zurück in die Argentinische Heimat zieht. Entsprechend erfolgreich sollte – so der Plan – der letzte Tango des Vereinslieblings bei wenig südamerikanischen Herbst-Bedingungen am Dienstagabend vonstattengehen.
Den ersten Abschluss der Partie verzeichneten jedoch die Gastgeber, bei denen Geraldo Schmidt mit etwa sieben verfehlten Metern belegte, dass er im Zentrum der defensive Viererkette schon richtig aufgehoben ist (7.). Keine Gefahr jedenfalls für Jonas Rügge, der den beim Aufwärmen verletzten Fynn Reuter tadellos vertrat.
Freiflugmeilen sammelte quasi Gegenzug sein Gegenüber, als Dominik Schmuck Hammonias ersten Versuch sehenswert aus dem Winkel fischte (8.) und auch einen tückischen Ndiessome-Freistoß ins Tor-Aus schaufelte (12.).
Ein starker Beginn des FCS-Torwarts, der sich wenig später jedoch unfreiwillig zum Löffel machte. Ohne Gegnerdruck spielten sich die Gäste durchs Zentrum zu Lautaro Gordiola, dessen Hereingabe weit und breit keinen Verbündeten fand, doch weil Schmuck beim Entsorgungsversuch Verteidiger Frederik Knümann anschoss, landete das Leder tatsächlich doch noch im Tor – ein 0:1, wie es in Arnd Zeiglers Rubrik „Kacktor der Woche nicht besser hätte gezeigt werden können (18.)!
In der Folge nutzten die Hammonen das Momentum jedoch nicht aus. Erst in der munteren Schlussphase des ersten Abschnitts näherte man sich beispielsweise durch einen schnittigen Dogu-Rechtsschuss aus 16 Metern wieder an (38.), während auch die Alsterbrüder aussichtsreich aufwarteten. Halbrechts vor zwei-Meter-Koloss Rügge zielte Victor Radtke nicht genau genug: Fußabwehr (39.)!
Aber was machte eigentlich Hauptprotagonist Varetto? Der arbeitete fleißig fürs Team und erlief sich kurz nach der Pause einen langen Krämer-Schlag, um den anschließenden Lupfer zwar über den herausstürzenden Schmuck, aber auch über das Tor zu setzen (47.).
Die zweite Chance folgte jedoch rasch, resultierte ein verkorkster Knümann-Freistoß in Hammonias Konter, den Hüdayi Dogus Bogenlampe unorthodox ins letzte Drittel führte. Mit viel Einsatz verschaffte sich Varetto schließlich die Position, das Runde mit dem Kopf über den Torwart und abschließend mit dem Fuß über die Linie zu bringen (56.). Jubel, Trubel, Herzlichkeit: DAS sind die Geschichten, die den Fußball so liebenswert machen!
Und es wurde noch kitschiger. 71. Minute: Roberto Rodriguez Estevez mit der flachen Ecke, die durchgelassen bei Varetto im Zentrum landete und schon der Doppelpack zum 0:3 geschnürt! Genug also der Taten für den heuer als Kapitän aufgelaufenen 30-Jährigen, dessen Fußballer-Zeit in Deutschland um 21.35 Uhr Ortszeit mit der Auswechslung zu Gunsten von Landsmann Sebastian Pignatelli einen applausträchtigen Rahmen fand (76.).
Gegen den Rahmen zielte unterdessen Kollege Dogu, dessen Alu-Treffer das Gestänge mächtig in Bewegung brachte (57.). Glück in dieser Szene für Tormann Schmuck, der sich wenig später in Aktion verletzte und durch Paul Altenburg ersetzt wurde (61.).
Im Verlaufe der unnötig üppigen Nachspielzeit fing sich der gelernte Feldspieler im Ausflug aus der eigenen Parzelle noch das 0:4, das Oleksandr Bobrovskyi im Duett der Joker clever für Pignatelli in den Rückraum auflegte. Das Urgestein, eigentlich nicht als Torjäger bekannt, machte es mit dem gefühlvollen Heber von rechts butterweich zum 0:4-Endstand (90.+3), den das drüben eingewechselte Eigengewächs Johann Bierendt (82.) und der ebenfalls aus der FCA-Jugend stammende Henry Lyons per Doppelchance (90.+6) nicht für die Blauen aufgehübscht bekamen.
Hammonias Drittvertretung bleibt damit im Lostopf für das Ende Oktober steigende HFV-Pokal-Achtelfinale, was nebenbei auch für den Bruch eines persönlichen Banns bei Julian Höger aus dem Trainerstab sorgte: „Ich verliere hier immer – außer als Senior“, unkte Hammonias Mannschaftsallrounder mahnend trotz der Favoritenrolle vor der Partie. Heute war dem Fußballgott eben nach Fußballromantik in albiceleste…

Tore: 0:1 Knümann (18., Eigentor, Gordiola), 0:2 Varetto (56. Dogu), 0:3 Varetto (71. Rodriguez Estevez), 0:4 Pignatelli (90.+3, Bobrovskyi)

gelbe Karten: Nieuwenhuizen, Knümann – Maza, Varetto, Bobrovskyi

Schiedsrichter: Sten Reissner (FC St. Pauli)

Zuschauer: 25

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