Mit
Vollgas durch die Hölle!
GWE
gewinnt furioses Match mit viel Moral und fragwürdigen Torschützen
Nein, es war wirklich kein typischer Kreisliga-Kick, an diesem Freitagabend an
der Sportanlage Tiefenstaaken zu Hamburg-Eimsbüttel! In einer Tor- und temporeichen
Partie besiegte das Team von Grün-weiß Eimsbüttel einen Gegner aus Haseldorf,
der sich gleich zweimal eindrucksvoll in der Begegnung zurückgemeldet hatte.
Kaum hatten die knapp 40 Zuschauer ein angenehmes Plätzchen auf der verregneten
Anlage gefunden, gingen die Gastgeber nach einem starken Ballgewinn von
Maximilian Garbe und einem sicheren Torabschluss aus halblinker Position von
Dennis Klemm in Führung (1.). Gerade einmal 40 Sekunden waren da verstrichen.
Keine 300 Sekunden später machte das „weiße Ballett“ sein Blitzstart perfekt
und erhöhte durch Top-Stürmer Marc Güldener auf 2:0. Die Vorarbeit leistete in
diesem Fall Schlussmann Hakki Gökce mit einem hohen, langen Ball von Strafraum
zu Strafraum, wobei sich die Defensive der Haseldorfer von ihrer schlechtesten
Seite zeigt und keinen erwähnenswerten Widerstand leistete.
Dafür versuchten sich die ganz in blau gekleideten Gäste, ein Gegengewicht in
der Offensive zu erspielen. Timo Badermann versuchte sein Glück nach einem
Freistoß von der rechten Seite, doch Gökce wehrte seinen Torversuch erfolgreich
ab (9.). Nach der doppelten Spielzeit war es Timo Rekautsch, der mit einem
direkt ausgeführten Freistoß an Gökce scheiterte: Abwehr mit dem Kopf!
Die Haseldorfer, mit zunehmender Spieldauer immer aktiver, verkürzten den
Rückstand nach 23 Spielminuten folgerichtig auf 2:1. Jan Plüschau setzte sich
zunächst auf links durch und legte mustergültig für Rekautsch auf, dessen
Schuss aus zehn Metern noch an den Innenpfosten ging, doch die Kugel rutschte
zum Anschlusstreffer über die Linie.
Die Grün-weißen, bei denen jetzt sichtbar die Nerven flatterten, mussten kurze
Zeit später den nächsten Schreckensmoment über sich ergehen lassen. Ein
halbhoch durch den Strafraum gleitender Eckball von Badermann, vom aufgerückten
Raimond Kleinwort in den gegnerischen Kasten gedrückt, bescherte den Gästen den
arg umjubelten Ausgleich (27.).
Keine 180 Sekunden später hätte das Team von Trainer Stefan Dösselmann zwingend
in Führung gehen müssen, doch Plüschau scheiterte gleich doppelt am
GWE-Schlussmann.
Was war bloß mit Grün-weiß los? Nach grandiosem Blitzstart verlor man total den
Faden. Doch die, in der ersten Halbzeit, wenig kreisligataugliche TVH-Abwehr
half den Gastgeber freundlich zurück in die Spur. Ein langer Diagonalball von
Joachim Görsch in den Lauf Güldeners, der das Spielgerät spielend einfach an
Björn Hegewald vorbei legte und ein Linksschuss ins leere Tor brachten den
Gastgebern ihre Führung zurück (33.). Das Publikum kam hier voll auf seine
Kosten!
Niels Böttcher, Lokalpolitiker und GWE-Clubwirt, frohlockte: „Für die Zuschauer
war diese Partie hoch interessant. Wir hatten einen Auftakt nach Maß und
sorgten hier für eine hoch spannende Begegnung“, konstatierte er nach dem
Match.
Auf dem Platz ging es weiter munter in Richtung beider Strafräume. Ostertag mit
dem starken Ballgewinn, quergelegt auf Klemm, der das Spielgerät aber aus
kürzester Distanz über das Gehäuse jagte (39.). Ein Hundertprozenter!
Das Auslassen dieser Mega-Chance sollte sich keine zwei Minuten später
tatsächlich rächen. Ein eigentlich recht unplatzierter Badermann-Freistoß aus
25 Metern rutschte Gökce äußerst unglücklich unterm Körper zum 3:3-Ausgleichstreffer
durch (41.). „Beim 3:3 habe ich nur noch das grelle Licht gesehen. Dazu hat der
Ball auf dem Weg zum Tor dreimal die Richtung geändert“, haderte der gebürtige
Münsteraner mit den Gesetzen der Physik.
Zu Beginn des zweiten Abschnitts verlor das Spiel schließlich an Tempo. Beide
Mannschaften standen nun defensiv besser und ließen demnach weniger zu.
Erst eine schöne Einzelaktion von GWEs Maximilian Garbe im gegnerischen
Strafraum, in letzter Not von Mark Simon geklärt, versprühte erste Gefahr in
der zweiten Halbzeit.
In Minute 65 dann wieder Gefahr für das Tor von Hegewald: ein hoch auf den
langen Pfosten gespielter Eckball, von Görsch per Kopf wieder auf den ersten
Pfosten zurückgespielt, landete bei Christian Pleus, der die Kugel irgendwie
mit der Hilfe seine Gegenspielers ins Tor beförderte. Gefragt nach der Weisem
wie ihm dieses Tor gelang, geriet Eimsbüttels Rückennummer 27 ins Stocken: „Ich
glaube, ich habe den Ball mit dem Hinterkopf berührt…ja, mit dem Hinterkopf
war´s. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob nicht vielleicht mein Gegenspieler
als letzter dran war. Wir haben ihn beide reingemacht“, stellte Pleus
diplomatisch fest.
Sieben Minuten später verpasste es Güldener, den Sack vorzeitig zuzumachen.
Völlig blank lief er nach Zuspiel vom eingewechselten Till Schüßler aufs Tor
zu, doch der 19-jährige Angreifer scheiterte am diesmal aufmerksamen Hegewald.
Der erste, durch Güldener, vergebene Matchball, dem noch zwei weitere folgen
sollten, doch weder sein Schlenzer nach Vorarbeit von Ostertag, noch ein
weiterer Sololauf, initiiert durch einen Traumpass vom eingewechselten
Alexander Eick, brachten die Entscheidung zu Gunsten der Gastgeber, was
Torschütze Pleus ärgerte: „Es hätte ein lockerer Abend für uns werden können,
wenn wir nach dem 2:0 richtig weitergemacht hätten. Dann hätten wir wirklich
4:0 oder 5:0 gewinnen können!“.
Stattdessen wurde es in der Nachspielzeit noch einmal eng. Der eingewechselte
Maik Siebels mit einem Schuss aus zehn Metern – Fußabwehr Gökce –
Ausgleichschance vergeben! Gesenkte Häupter bei den TVH-Kickern.
Ihr Trainer wurde nach der Partie deutlich: „Wir sind im Moment mit diesen
Abwehrschnitzen einfach keine Spitzenmannschaft! Wenn du auswärts drei Tore
schießt, musst du auch etwas mitnehmen. Das Spiel wurde in den ersten Minuten
verloren und obwohl wir es geschafft haben, wieder heranzukommen, kann es nicht
sein, dass wir immer vier, fünf Tore schießen müssen, nur weil wir hinten zu
viele Dinger kriegen! Einige sollten sich hinterfragen, ob die überhaupt das
Niveau für die Kreisliga haben!“, fuhr Dösselmann schwere Geschütze gegen sein
eigenes Team auf.
GWE-Linksverteidiger Claas Kruse präsentierte sich dagegen glücklich: „Das war
eine extrem charakterstarke Leistung von uns. Es ist nicht selbstverständlich,
wie wir nach dem 3:3 wieder zurückgekommen sind. In der zweiten Hälfte haben
wir das Spiel gut gemacht und deswegen verdient gewonnen“, was Kruse allerdings
etwas überraschte: „Ich hatte vor dem Spiel gedacht, dass wir mehr Probleme mit
diesem Gegner haben würden.“.
Herzlich egal war das seinem Trainer, Nico Grabarczyk, der nach eigener Aussage
nichts gesehen hatte, was ihn nicht zufrieden stellte. Eine fragwürdige Aussage
bei drei Gegentreffern…
Die nächste Möglichkeit, den Trainer erneut positiv zu stimmen, bietet das
kommende Match am nächsten Sonntag bei den Kickers Halstenbek, während sich der
TV Haseldorf am selben Tag zuhause mit der Reserve der SV Lieth
auseinandersetzen muss.
Ansehnliches spielte sich übrigens während der gesamten Spielzeit auf den
Rängen ab. Die Gastgeber durften auf die Unterstützung ihrer Ultra-Fraktion
bauen, sodass sich die Tiefenstaaken-Anlage zeitweise zu einem wahren
„Hexenkessel“ verwandelte.
Grün-weiß Eimsbüttel:
Gökce – Kassube, Brennecke, Schirrmacher, Kruse – C. Pleus (68. Schüßler),
Görsch – Güldener (89. Przybylski), Ostertag, Garbe (74. Eick) – Klemm,
Trainer: Nico Grabarczyk
TV Haseldorf: Hegewald – Simon,
Rudnick, Koschinski, R. Kleinwort (46. Söllbehr) – Rekautsch, Krohn, Thode (74.
Siebels), Badermann – Skowronek, Plüschau, Trainer: Stefan Dösselmann
Tore: 1:0 Klemm (1. Garbe), 2:0 Güldener
(6. Gökce), 2:1 Rekautsch (23. Plüschau), 2:2 R. Kleinwort (27. Badermann), 3:2
Güldener (33. Görsch), 3:3 Badermann (41., direkter Freistoß), 4:3 C. Pleus
(65. Görsch)
beste Spieler: geschlossene
Mannschaftsleistung – Badermann
gelbe Karten: Brennecke – R.
Kleinwort, Thode, Söllbehr, Koschinski, Plüschau
Schiedsrichter: Jochen Weber (TuS
Borstel, Note 2)
Zuschauer: 40
Freitag, 15. Oktober 2010
Spielbericht GW Eimsbüttel - TV Haseldorf
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