Freitag, 15. Oktober 2010

Spielbericht GW Eimsbüttel - TV Haseldorf

Mit Vollgas durch die Hölle!
GWE gewinnt furioses Match mit viel Moral und fragwürdigen Torschützen

Nein, es war wirklich kein typischer Kreisliga-Kick, an diesem Freitagabend an der Sportanlage Tiefenstaaken zu Hamburg-Eimsbüttel! In einer Tor- und temporeichen Partie besiegte das Team von Grün-weiß Eimsbüttel einen Gegner aus Haseldorf, der sich gleich zweimal eindrucksvoll in der Begegnung zurückgemeldet hatte.
Kaum hatten die knapp 40 Zuschauer ein angenehmes Plätzchen auf der verregneten Anlage gefunden, gingen die Gastgeber nach einem starken Ballgewinn von Maximilian Garbe und einem sicheren Torabschluss aus halblinker Position von Dennis Klemm in Führung (1.). Gerade einmal 40 Sekunden waren da verstrichen.
Keine 300 Sekunden später machte das „weiße Ballett“ sein Blitzstart perfekt und erhöhte durch Top-Stürmer Marc Güldener auf 2:0. Die Vorarbeit leistete in diesem Fall Schlussmann Hakki Gökce mit einem hohen, langen Ball von Strafraum zu Strafraum, wobei sich die Defensive der Haseldorfer von ihrer schlechtesten Seite zeigt und keinen erwähnenswerten Widerstand leistete.
Dafür versuchten sich die ganz in blau gekleideten Gäste, ein Gegengewicht in der Offensive zu erspielen. Timo Badermann versuchte sein Glück nach einem Freistoß von der rechten Seite, doch Gökce wehrte seinen Torversuch erfolgreich ab (9.). Nach der doppelten Spielzeit war es Timo Rekautsch, der mit einem direkt ausgeführten Freistoß an Gökce scheiterte: Abwehr mit dem Kopf!
Die Haseldorfer, mit zunehmender Spieldauer immer aktiver, verkürzten den Rückstand nach 23 Spielminuten folgerichtig auf 2:1. Jan Plüschau setzte sich zunächst auf links durch und legte mustergültig für Rekautsch auf, dessen Schuss aus zehn Metern noch an den Innenpfosten ging, doch die Kugel rutschte zum Anschlusstreffer über die Linie.
Die Grün-weißen, bei denen jetzt sichtbar die Nerven flatterten, mussten kurze Zeit später den nächsten Schreckensmoment über sich ergehen lassen. Ein halbhoch durch den Strafraum gleitender Eckball von Badermann, vom aufgerückten Raimond Kleinwort in den gegnerischen Kasten gedrückt, bescherte den Gästen den arg umjubelten Ausgleich (27.).
Keine 180 Sekunden später hätte das Team von Trainer Stefan Dösselmann zwingend in Führung gehen müssen, doch Plüschau scheiterte gleich doppelt am GWE-Schlussmann.
Was war bloß mit Grün-weiß los? Nach grandiosem Blitzstart verlor man total den Faden. Doch die, in der ersten Halbzeit, wenig kreisligataugliche TVH-Abwehr half den Gastgeber freundlich zurück in die Spur. Ein langer Diagonalball von Joachim Görsch in den Lauf Güldeners, der das Spielgerät spielend einfach an Björn Hegewald vorbei legte und ein Linksschuss ins leere Tor brachten den Gastgebern ihre Führung zurück (33.). Das Publikum kam hier voll auf seine Kosten!
Niels Böttcher, Lokalpolitiker und GWE-Clubwirt, frohlockte: „Für die Zuschauer war diese Partie hoch interessant. Wir hatten einen Auftakt nach Maß und sorgten hier für eine hoch spannende Begegnung“, konstatierte er nach dem Match.
Auf dem Platz ging es weiter munter in Richtung beider Strafräume. Ostertag mit dem starken Ballgewinn, quergelegt auf Klemm, der das Spielgerät aber aus kürzester Distanz über das Gehäuse jagte (39.). Ein Hundertprozenter!
Das Auslassen dieser Mega-Chance sollte sich keine zwei Minuten später tatsächlich rächen. Ein eigentlich recht unplatzierter Badermann-Freistoß aus 25 Metern rutschte Gökce äußerst unglücklich unterm Körper zum 3:3-Ausgleichstreffer durch (41.). „Beim 3:3 habe ich nur noch das grelle Licht gesehen. Dazu hat der Ball auf dem Weg zum Tor dreimal die Richtung geändert“, haderte der gebürtige Münsteraner mit den Gesetzen der Physik.
Zu Beginn des zweiten Abschnitts verlor das Spiel schließlich an Tempo. Beide Mannschaften standen nun defensiv besser und ließen demnach weniger zu.
Erst eine schöne Einzelaktion von GWEs Maximilian Garbe im gegnerischen Strafraum, in letzter Not von Mark Simon geklärt, versprühte erste Gefahr in der zweiten Halbzeit.
In Minute 65 dann wieder Gefahr für das Tor von Hegewald: ein hoch auf den langen Pfosten gespielter Eckball, von Görsch per Kopf wieder auf den ersten Pfosten zurückgespielt, landete bei Christian Pleus, der die Kugel irgendwie mit der Hilfe seine Gegenspielers ins Tor beförderte. Gefragt nach der Weisem wie ihm dieses Tor gelang, geriet Eimsbüttels Rückennummer 27 ins Stocken: „Ich glaube, ich habe den Ball mit dem Hinterkopf berührt…ja, mit dem Hinterkopf war´s. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob nicht vielleicht mein Gegenspieler als letzter dran war. Wir haben ihn beide reingemacht“, stellte Pleus diplomatisch fest.
Sieben Minuten später verpasste es Güldener, den Sack vorzeitig zuzumachen. Völlig blank lief er nach Zuspiel vom eingewechselten Till Schüßler aufs Tor zu, doch der 19-jährige Angreifer scheiterte am diesmal aufmerksamen Hegewald.
Der erste, durch Güldener, vergebene Matchball, dem noch zwei weitere folgen sollten, doch weder sein Schlenzer nach Vorarbeit von Ostertag, noch ein weiterer Sololauf, initiiert durch einen Traumpass vom eingewechselten Alexander Eick, brachten die Entscheidung zu Gunsten der Gastgeber, was Torschütze Pleus ärgerte: „Es hätte ein lockerer Abend für uns werden können, wenn wir nach dem 2:0 richtig weitergemacht hätten. Dann hätten wir wirklich 4:0 oder 5:0 gewinnen können!“.
Stattdessen wurde es in der Nachspielzeit noch einmal eng. Der eingewechselte Maik Siebels mit einem Schuss aus zehn Metern – Fußabwehr Gökce – Ausgleichschance vergeben! Gesenkte Häupter bei den TVH-Kickern.
Ihr Trainer wurde nach der Partie deutlich: „Wir sind im Moment mit diesen Abwehrschnitzen einfach keine Spitzenmannschaft! Wenn du auswärts drei Tore schießt, musst du auch etwas mitnehmen. Das Spiel wurde in den ersten Minuten verloren und obwohl wir es geschafft haben, wieder heranzukommen, kann es nicht sein, dass wir immer vier, fünf Tore schießen müssen, nur weil wir hinten zu viele Dinger kriegen! Einige sollten sich hinterfragen, ob die überhaupt das Niveau für die Kreisliga haben!“, fuhr Dösselmann schwere Geschütze gegen sein eigenes Team auf.
GWE-Linksverteidiger Claas Kruse präsentierte sich dagegen glücklich: „Das war eine extrem charakterstarke Leistung von uns. Es ist nicht selbstverständlich, wie wir nach dem 3:3 wieder zurückgekommen sind. In der zweiten Hälfte haben wir das Spiel gut gemacht und deswegen verdient gewonnen“, was Kruse allerdings etwas überraschte: „Ich hatte vor dem Spiel gedacht, dass wir mehr Probleme mit diesem Gegner haben würden.“.
Herzlich egal war das seinem Trainer, Nico Grabarczyk, der nach eigener Aussage nichts gesehen hatte, was ihn nicht zufrieden stellte. Eine fragwürdige Aussage bei drei Gegentreffern…
Die nächste Möglichkeit, den Trainer erneut positiv zu stimmen, bietet das kommende Match am nächsten Sonntag bei den Kickers Halstenbek, während sich der TV Haseldorf am selben Tag zuhause mit der Reserve der SV Lieth auseinandersetzen muss.
Ansehnliches spielte sich übrigens während der gesamten Spielzeit auf den Rängen ab. Die Gastgeber durften auf die Unterstützung ihrer Ultra-Fraktion bauen, sodass sich die Tiefenstaaken-Anlage zeitweise zu einem wahren „Hexenkessel“ verwandelte.

Grün-weiß Eimsbüttel: Gökce – Kassube, Brennecke, Schirrmacher, Kruse – C. Pleus (68. Schüßler), Görsch – Güldener (89. Przybylski), Ostertag, Garbe (74. Eick) – Klemm, Trainer: Nico Grabarczyk

TV Haseldorf: Hegewald – Simon, Rudnick, Koschinski, R. Kleinwort (46. Söllbehr) – Rekautsch, Krohn, Thode (74. Siebels), Badermann – Skowronek, Plüschau, Trainer: Stefan Dösselmann

Tore: 1:0 Klemm (1. Garbe), 2:0 Güldener (6. Gökce), 2:1 Rekautsch (23. Plüschau), 2:2 R. Kleinwort (27. Badermann), 3:2 Güldener (33. Görsch), 3:3 Badermann (41., direkter Freistoß), 4:3 C. Pleus (65. Görsch)

beste Spieler: geschlossene Mannschaftsleistung – Badermann

gelbe Karten: Brennecke – R. Kleinwort, Thode, Söllbehr, Koschinski, Plüschau

Schiedsrichter: Jochen Weber (TuS Borstel, Note 2)

Zuschauer: 40


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