Freitag, 6. März 2026

Spielbericht TV Haseldorf - Niendorfer TSV II

Bigpoint für die Teilzeithedonisten
TV Haseldorf startet wie im Rausch und zittert dennoch um den Keller-Dreier

Hätte Benjamin Kälberloh, Trainer des TV Haseldorf, noch Haare auf dem Kopf; spätestens an diesem wichtigen Abend für den Aufsteiger im Abstiegsgeschäft wäre ihm sein Haupt erkahlt. Dem Traumstart ins Sechs-Punkte-Spiel gegen die Reserve des Niendorfer TSV war unter Flutlichtkulisse nämlich noch das große Zittern, bis in die neunte Minute der Nachspielzeit, gefolgt.
Ein Szenario, das der Coach bereits in der Halbzeitpause hat kommen sehen, warnte er sein Team vor dem „psychologischen Vorteil“ des Gegners durch den wahrlich sehenswerten Weitschusstreffer durch Spielmacher Lennart Ludwig (27.), der in einer surrealen ersten Hälfte vorzeitig das letzte Wort hatte.
Davor hatte die Kälberloh-Equipe ihr Schloßparkstadion mal eben zur hedonistischen Zone erklärt, agierte „brutal effektiv“ – oder eher effizient.
Unaufhaltsam dabei: das Offensivtrio Fülscher, Lienau und Rose. So führte eine schlecht verteidigte Lienau-Ecke bereits nach 90 Sekunden Lars Roses Führungstor herbei, ehe Michel Lienaudem völlig verunsicherten Dennis Brettschneider die Kugel abluchste und frei durch zur raschen Verdopplung einschob (6.).
Mit Glück des unhaltbar Abfälschens im Sechzehner stellte Rose in Minute zwölf auf 3:0 (12.). Und das, obwohl er den Ball nach Marten Fülschers Blitzeinwurf für Lienaus Brustmitnahme, inklusive Hereingabe von der Grundlinie, nicht unbedingt lehrbuchartig erwischte. Heute schien aber einfach alles zu gelingen, was die euphorisierten Appelplücker versuchten!
Ebenso Lienaus kräftiger Strafraum-Abdruck mit rechts, der wieder nur zustande kam, weil die orientierungslos über ungewohnten Naturrasen stolpernden Niendorfer eine kurze Eckenvariante nicht aus der Parzelle bekamen (15.).
Erst der fünfte Heim-Versuch, den der entfesselte Fülscher, vom Widersacher touchiert, zur Ecke ins Tor-Aus rutschen sah (18.), durchkreuzte die perfekte Biathlon-Serie am Schießstand.
Gur für die Gäste, die der eindringlichen Aufforderung ihres lebhaften Trainers, „Ballkontakte“ zu sammeln, nur schleppend nachkamen. Erst mit Ludwigs 4:1 waren die Herren in weiß endlich auch mental in der Partie angekommen.
Waleed Maliks Kopfball (41.) und Ioannis Goussis´ Versuch ans Außennetz (44.) waren daraufhin nur die Vorboten dessen, was die Haseldorfer im zweiten Abschnitt zu überstehen hatten. Auch, weil Lienaus Treffer nach feinem Fülscher-Service wegen spät geahndeten Handspiels keine Anerkennung fand (45.).
Auch Fülscher selber vermochte den Deckel im Konter aus vollem Lauf nicht draufzumachen, als der langzeitverletzte Louis Bevers in der Vorbereitung zeigte, welche Dynamik seine Rückkehr für das Spiel der Roten bedeutet (48.).
Ansonsten aber galt es, nun dem Druck des nun auch besser auf lange Bälle eingestellten NTSV standzuhalten.
Goalie Niklas Grote musste jedenfalls gegen Minseo Cho schon mal behände abtauschen (53.), um zu verhindern, was zum Start der körperlich geführten Schlussphase doch geschehen sollte. Diesmal piekte Ludwig die Kugel vor Grote weiter zum verkürzenden Lukas Lackner und das von Kälberloh befürchtete „Feuerwerk“ des Gegners war weiter entfacht (72.).
Wo Gäste-Tormann Christopher Schade gegen Fülscher die 5:2-Vorentscheidung verhinderte (75.), netzte drüben Pieter Oßenbrüggen zum 4:3 ins eigene Gehäuse (79.).
Elf lange Restminuten des gegnerischen Anrennens waren überstanden, da drohte durch einen Nachschlag von deren sechs gleich weiteres Unheil. Abermals Ludwig (90.+2) und Lackner mit dem Heber im Strafraum (90.+3) sollten aber die finalen Ausgleichschancen vergaben haben, ehe in Extraminute neun der letzte Befreiungsschlag das erste Klettern aus der Abstiegszone seit dem zweiten Spieltag besiegelte.
Mit nur einer Niederlage aus den letzten sieben Partien geht es nun zum Spitzenteam nach Kummerfeld, das im gleichen Zeitraum nur vier Punkte mehr holte (18).
Bei den nunmehr seit neun Spielen punktlosen Bondenwald-Kickern liegen dagegen die Nerven blank. Eine Mecker-Ampelkarte nach Spielende rundete die verkorkste Gastspielreise noch negativ ab. Die weiteren Duelle gegen die Kellerkonkurrenz aus Duvenstedt und Klein Nordende könnten an den nächsten Wochenenden bereits vorentscheidenden Charakter annehmen.

Tore: 1:0 Rose (2. Lienau), 2:0 Lienau (6.), 3:0 Rose (12. Lienau), 4:0 Lienau (15. Fülscher), 4:1 Ludwig (27. Cho), 4:2 Lackner (72. Ludwig), 4:3 Oßenbrüggen (79., Eigentor, Ludwig)

Schiedsrichter: Bartu Öncan (Holsatia im EMTV, Note 2,5)

Zuschauer: 80




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