Krasser als Achterbahn
Zehn
Tore auf dem Heiligengeistfeld: Union IV gewinnt irres Oster-Spektakel!
Nebenan öffneten St. Paulis Sechste und Union Tornesch IV ihre Schießbuden
allerdings zum denkwürdigen zehn-Tore-Spektakel der Kreisliga 08.
Strahlender wie überraschender Sieger: das Kellerkind aus Tornesch, das sich
mit dem Erfolg beim Tabellendritten kurzerhand aus den Abstiegsrängen
katapultierte.
Vom Anpfiff weg war es dem Außenseiter dabei gelungen, die Partie auf dem engen
Kunstrasen hinter dem Millerntorstadion offen zu gestalten und kaum
Nennenswertes zuzulassen. Nur ein vertretbarer Strafstoßpfiff gegen Kapitän Ben
Schlüter, dessen Arm aus kurzer Distanz von Björn Rothes Kopfball getroffen
wurde, aber nun mal eben den Torversuch vereitelte (immerhin setzte es nicht
den fälligen Platzverweis), durchkreuzte Unions Defensivkonzept (11.). St.
Paulis Spielführer Maximilian Hille zeigte nämlich keine Nerven vom Punkt und
versenkte zum 1:0.
Unterkriegen ließen sich die Gäste davon aber nicht, trauten sie sich zunehmend
selbst nach vorne, während das nächste Tor jedoch vermeintlich für St. Pauli
fiel. Lukas Winterschladen piekte das Leder in die lange Ecke, doch das Gespann
um den jungen Raul Ramazanov erkannte auf Abseits (41.). Just im Gegenzug gelang
es den Blauen, Torjäger Thomas Koziol halbrechts in umjubelte Tor-Szene zu
setzen – hier geht was!
Vor allem auch, weil Union-Schlussmann Jan Redmann einen erneuten Rothe-Kopfball
schön über seinen Kasten streichelte und damit erstmal das Pausen-Remis
sicherte (45.+1).
Zurück aus den Kabinen, gab es für die beiden Männer mit den Handschuhen nicht
mehr viel zu lachen. Binnen einer Viertelstunde spielte sich nämlich ein
skurriles Scheibenschießen ab, dessen Anfang St. Paulis Philippe Tiede mit
einem ungestümen Einsatz herbeiführte. Koziols flaches Strafstoßtor (53.)
glichen die Braun-weißen aber rasch per Hille Kopfball (Ecke Tiede) wieder aus
(55.).
Weil ein abermaliger Kopfstoß von Rothe nicht mehr auf der Linie geklärt werden
konnte, war die Partie sogar per Doppelschlag auf 3:2 gedreht (57.).
Doch die Eisernen schlugen zurück, versenkte Bugrahan Almaz eine dynamische Vorarbeit
durch Jorge Westphal am ersten Pfosten zum erneuten Ausgleich (60.), den St.
Pauli wiederum quasi im Gegenzug korrigierte. Diesmal legte der gerade eingewechselte
Amin Dweik wunderbar für Gerrit Sundermann in den Rückraum ab, sodass die
Rückennummer zehn das Leder noch leicht abgefälscht unter die Latte nageln
konnte (62.). Ein starker Abschluss, der aber auch nicht darüber hinwegtäuschen
konnte, dass die Defensivleistung der Kiezkicker heuer kaum über dem
Meeresspiegel lag. So luchste Koziol Moritz Boekhoff die Kugel vor dem
Sechzehner zum vermeintlichen 4:4 ab, nur verzog der landesligaerfahrene Pole
unter Bedrängnis (67.).
Vielleicht schnaufte St. Pauli daraufhin etwas zu lange durch, denn kaum pennte
man bei einem Einwurf von links, vernaschte Lennard Stolz Gegenspieler Lasse
Beyer zum perfekten 4:4-Drehschuss (70.).
Schon jetzt war irgendwie klar, dass dieses Spektakel eigentlich keinen
Verlierer verdient hatte. Dachte sich wohl auch Union-Torwart Jan Redmann, der
den ausgeglichenen Zwischenstand gegen Hilles Strafstoß im Abtauchen nach
rechts, vom Schützen aus, am Leben erhielt (76.) und damit auch den wichtigen
Zähler im Abstiegskampf.
Für die Gastgeber derweil ein harter Nackenschlag, von denen sie sich heute
nicht mehr erholen sollten. Stattdessen gingen die Jungs aus dem Torneum voll
aufs Ganze, was sich fünf Minuten vor Ultimo tatsächlich abermals auszahlen
sollte, wemmste Bezirksliga-Leihgabe Westphal den vom Gegner nicht geklärten Ball
mit vollem Mut aus 18 Metern linksunten rein. 4:5!
Zeit, den Laden nun auch hinten endlich den Griff zu kriegen, sodass nicht nur
per sofortigem Doppelwechsel, sondern auch durch Koziols Installation im
Abwehrzentrum alles in blau auf Defensive getrimmt wurde.
Ein Konzept, das auf den letzten Metern auch genauso aufging und seine
Perfektion in der Nachspielzeit finden sollte. Gegen aufgerückte St. Paulianer
konterte sich der Abstiegskandidat in Überzahl zum 4:6-Endstand, den Joker
Maxim Beker mit Chip über Schlussmann Ivaylo Dimitrov perfekt machte (90.+1).
Ein ganz wichtiges Ding für Beker und Co, die die Alsterbrüder-Dritte auf den
ersten Abstiegsplatz der Kreisliga 08 verdrängten.
Sorgen, die man an der Feldstraße nur vom Hörensagen kennt. Rang drei ohne
Bezug zum Spitzenduo lässt die Punktspielsaison schwingt ausklingen, ehe im
Heino-Gerstenberg-Pokal noch das große Endspiel gegen Vorwärts/Wacker Billstedt
III ansteht. Der Ausrutscher heute daher verschmerzbar…
Tore: 1:0 Hille (11., Strafstoßtor, Handspiel Schlüter), 1:1
Koziol (42. Stolz), 1:2 Koziol (54., Strafstoßtor), 2:2 Hille (55. Tiede), 3:2
Rothe (57. Hille), 3:3 Almaz (60. Westphal), 4:3 Sundermann (62. Dweik), 4:4 Stolz
(70.), 4:5 Westphal (85.), 4:6 Beker (90.+1, Westphal)
gelbe Karten: Rothe, Teßmann – Schlüter, Almaz, Albostan
Schiedsrichter: Raul Ramazanov
Zuschauer: 50
Freitag, 3. April 2026
Spielbericht FC St. Pauli VI - FC Union Tornesch IV
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