Freitag, 3. April 2026

Spielbericht FC St. Pauli VI - FC Union Tornesch IV

Krasser als Achterbahn
Zehn Tore auf dem Heiligengeistfeld: Union IV gewinnt irres Oster-Spektakel!

Nebenan öffneten St. Paulis Sechste und Union Tornesch IV ihre Schießbuden allerdings zum denkwürdigen zehn-Tore-Spektakel der Kreisliga 08.
Strahlender wie überraschender Sieger: das Kellerkind aus Tornesch, das sich mit dem Erfolg beim Tabellendritten kurzerhand aus den Abstiegsrängen katapultierte.
Vom Anpfiff weg war es dem Außenseiter dabei gelungen, die Partie auf dem engen Kunstrasen hinter dem Millerntorstadion offen zu gestalten und kaum Nennenswertes zuzulassen. Nur ein vertretbarer Strafstoßpfiff gegen Kapitän Ben Schlüter, dessen Arm aus kurzer Distanz von Björn Rothes Kopfball getroffen wurde, aber nun mal eben den Torversuch vereitelte (immerhin setzte es nicht den fälligen Platzverweis), durchkreuzte Unions Defensivkonzept (11.). St. Paulis Spielführer Maximilian Hille zeigte nämlich keine Nerven vom Punkt und versenkte zum 1:0.
Unterkriegen ließen sich die Gäste davon aber nicht, trauten sie sich zunehmend selbst nach vorne, während das nächste Tor jedoch vermeintlich für St. Pauli fiel. Lukas Winterschladen piekte das Leder in die lange Ecke, doch das Gespann um den jungen Raul Ramazanov erkannte auf Abseits (41.). Just im Gegenzug gelang es den Blauen, Torjäger Thomas Koziol halbrechts in umjubelte Tor-Szene zu setzen – hier geht was!
Vor allem auch, weil Union-Schlussmann Jan Redmann einen erneuten Rothe-Kopfball schön über seinen Kasten streichelte und damit erstmal das Pausen-Remis sicherte (45.+1).
Zurück aus den Kabinen, gab es für die beiden Männer mit den Handschuhen nicht mehr viel zu lachen. Binnen einer Viertelstunde spielte sich nämlich ein skurriles Scheibenschießen ab, dessen Anfang St. Paulis Philippe Tiede mit einem ungestümen Einsatz herbeiführte. Koziols flaches Strafstoßtor (53.) glichen die Braun-weißen aber rasch per Hille Kopfball (Ecke Tiede) wieder aus (55.).
Weil ein abermaliger Kopfstoß von Rothe nicht mehr auf der Linie geklärt werden konnte, war die Partie sogar per Doppelschlag auf 3:2 gedreht (57.).
Doch die Eisernen schlugen zurück, versenkte Bugrahan Almaz eine dynamische Vorarbeit durch Jorge Westphal am ersten Pfosten zum erneuten Ausgleich (60.), den St. Pauli wiederum quasi im Gegenzug korrigierte. Diesmal legte der gerade eingewechselte Amin Dweik wunderbar für Gerrit Sundermann in den Rückraum ab, sodass die Rückennummer zehn das Leder noch leicht abgefälscht unter die Latte nageln konnte (62.). Ein starker Abschluss, der aber auch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die Defensivleistung der Kiezkicker heuer kaum über dem Meeresspiegel lag. So luchste Koziol Moritz Boekhoff die Kugel vor dem Sechzehner zum vermeintlichen 4:4 ab, nur verzog der landesligaerfahrene Pole unter Bedrängnis (67.).
Vielleicht schnaufte St. Pauli daraufhin etwas zu lange durch, denn kaum pennte man bei einem Einwurf von links, vernaschte Lennard Stolz Gegenspieler Lasse Beyer zum perfekten 4:4-Drehschuss (70.).
Schon jetzt war irgendwie klar, dass dieses Spektakel eigentlich keinen Verlierer verdient hatte. Dachte sich wohl auch Union-Torwart Jan Redmann, der den ausgeglichenen Zwischenstand gegen Hilles Strafstoß im Abtauchen nach rechts, vom Schützen aus, am Leben erhielt (76.) und damit auch den wichtigen Zähler im Abstiegskampf.
Für die Gastgeber derweil ein harter Nackenschlag, von denen sie sich heute nicht mehr erholen sollten. Stattdessen gingen die Jungs aus dem Torneum voll aufs Ganze, was sich fünf Minuten vor Ultimo tatsächlich abermals auszahlen sollte, wemmste Bezirksliga-Leihgabe Westphal den vom Gegner nicht geklärten Ball mit vollem Mut aus 18 Metern linksunten rein. 4:5!
Zeit, den Laden nun auch hinten endlich den Griff zu kriegen, sodass nicht nur per sofortigem Doppelwechsel, sondern auch durch Koziols Installation im Abwehrzentrum alles in blau auf Defensive getrimmt wurde.
Ein Konzept, das auf den letzten Metern auch genauso aufging und seine Perfektion in der Nachspielzeit finden sollte. Gegen aufgerückte St. Paulianer konterte sich der Abstiegskandidat in Überzahl zum 4:6-Endstand, den Joker Maxim Beker mit Chip über Schlussmann Ivaylo Dimitrov perfekt machte (90.+1).
Ein ganz wichtiges Ding für Beker und Co, die die Alsterbrüder-Dritte auf den ersten Abstiegsplatz der Kreisliga 08 verdrängten.
Sorgen, die man an der Feldstraße nur vom Hörensagen kennt. Rang drei ohne Bezug zum Spitzenduo lässt die Punktspielsaison schwingt ausklingen, ehe im Heino-Gerstenberg-Pokal noch das große Endspiel gegen Vorwärts/Wacker Billstedt III ansteht. Der Ausrutscher heute daher verschmerzbar…

Tore: 1:0 Hille (11., Strafstoßtor, Handspiel Schlüter), 1:1 Koziol (42. Stolz), 1:2 Koziol (54., Strafstoßtor), 2:2 Hille (55. Tiede), 3:2 Rothe (57. Hille), 3:3 Almaz (60. Westphal), 4:3 Sundermann (62. Dweik), 4:4 Stolz (70.), 4:5 Westphal (85.), 4:6 Beker (90.+1, Westphal)

gelbe Karten: Rothe, Teßmann – Schlüter, Almaz, Albostan

Schiedsrichter: Raul Ramazanov

Zuschauer: 50






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