Freitag, 10. April 2026

Spielbericht SV Lieth - Hamburger SV IV

Blaulicht statt Befreiungsschlag
Keller-Krimi am Butterberg wegen Verletzung abgebrochen

Betroffenes Bangen, betretene Stille und mittenhinein der Abpfiff. Der 25. Spieltag der Bezirksliga 01 endete für Jan Schiebuhr, Mittelfeldspieler der SV Lieth, per Blaulicht im Spital.
Eigentlich sollte es im Abstiegskracher seiner Farben (Platz 15, 16 Punkte) gegen die Vierte des HSV (12., 20 Zähler) den großen Befreiungsschlag geben. Ein hehres Ziel, wie schon die Anfangsminuten belegten. Vor allem, weil sich die Liether früh selbst ins Hintertreffen brachten. Unter Pressingdruck spielte Tormann Patrick Klösel den Ball zwischen zwei halbgaren Anspielstationen durch, direkt in die Füße des ebenso prompt von links hoch abziehenden Massimo Graci und der 0:1-Fehlstart ins vorgezogene „Endspiel“ um den Klassenerhalt war perfekt (9.).
Die Gäste daraufhin das bessere Team, doch zwingende Momente, wie Finn Carlssons zentraler Abdruck (drüber, 12.) gab es erst in Richtung Halbzeitschlussphase zu vermelden, als Carlssons Kopfball Klösel zur Glanzparade zwang (36.) und der Goalie seinen Lapsus zum Gegentor spätestens im starken Eins-gegen-Eins mit dem durchgestarteten Noah Brämer wettmachte (39.). Und kaum brüllte Präsident und Stadionsprecher Bo Hansen seine Lobpreisung des Torstehers ins Mikrofon, machte der „Titan“ gegen Piet Bussink-Becking geschwind die kurze Ecke zu.
Die SVL, deren einzig valides Lebenszeichen aus Meraja Magens´ Rückraumschuss mit frechem Schnitt (32.) bestand, blieb damit top im Match, das nun wiederum der HSV mit einer völlig missratenen Rückgabe auf Gleichstand polte. Tim Hör´le, der nebenbei hauchdünn an gelb-rot für wiederholtes Foulspiel vorbei schrammte (45.+1), servierte per Zuspiel in die Strafraum-Mitte Felix Schröders Ausgleichstor im Dazwischenspritzen (43.). Die Idee, den Verteidiger für die Rückrunde ganz nach vorne zu beordern, hat sich mit jetzt drei Saisontoren jedenfalls schon mal bezahlt gemacht.
Die Freude darüber sollte allerdings nach dem Seitenwechsel verflogen sein, schafften es die Breitensportler des Ex-Bundesliga.Dinos, das Tempo von Linksaußen Brämer immer besser auf die Schiene zu bringen. Bei Gracis Verfehlen war dies aus SVL-Sicht noch gutgegangen (52.), doch dann schickte Marvin Nietgen den „23er“ im Drei-Stationen-Konter auf den unaufhaltsamen Weg zum 1:2 in die lange Ecke (56.).
Das Umschalten also eine Stärke des HSV – hat sich nur irgendwie nicht bis zu den Hausherren herumsgesprochen. Florian Gebauers langer Schlag aus der Innenverteidigung, Lennart Plötzkys Kopfballverlängerung und schon war Nietgen frei durch für den Rechtsschuss, den Klösel nicht mehr entscheidend blockieren konnte (62.). Der mitgereiste Anhang in voller Freude, zumal Brämer zwanzig Minuten vor dem Ende mit links alles hätte klarmachen können, wäre der Kasten nur ein wenig breiter gewesen (70.).
So aber blieb die SV Lieth noch am Leben, ehe ihr Herzschlag dank des 2:3-Anschlusstreffers wieder so richtig in Schwung kam. Einen Flugball des nach ewiger Verletzungspause sofort weiterhelfenden Magens hatte Finn Struve formvollendet mit der Hacke zu Tom Busse weitergeleitet. Der Treffer war da nur noch Formsache (74.).
War hier also doch noch etwas drin? Ein Behrens-Kopfball, den HSV-Fänger Ather Aldakhe schön aus dem kurzen Eck fischte (83.), fand trotz aller Bemühungen jedoch keine torgefährlichen Nachahmer.
240 Sekunden Nachspielzeit blieben letztlich noch als letzter Rettungsring, bis bei exakt 138 von ihnen Plötzkys Lufteinsatz in den Rücken von Schiebuhr mit dem unsanften Aufprall des Liethers endete und die folgende Versorgung des hauptberuflichen Gemeinschaftsschullehrers, unterstützt durch eine anwesende Rettungsassistentin aus dem Publikum, eine unabsehbare Länge einnahm. Schiedsrichter Hasan Biyikli (VfL Hammonia) brach die Partie schließlich nach Unterredung mit den beiden Spielführern ab. Eine Neuansetzung scheint aufgrund der Einstimmigkeit der Entscheidung am wahrscheinlichsten.
Aus dem Umfeld des Verletzten folgte unterdessen bereits im Laufe des Wochenendes Entwarnung. Eine amtliche Gehirnerschütterung und eine Gesichtsoptik aus dem Schwergewichtsboxen können getrost als glimpflicher Ausgang des Kopf-Aufpralls gewertet werden. Alles andere muss nun eben der Hamburger Fußballverband entscheiden.

Tore: 0:1 Graci (9.), 1:1 Schröder (43.), 1:2 Brämer (56. Nietgen), 1:3 Nietgen (62. L. Plötzky), 2:3 Busse (74. Struve)

gelbe Karten: Behrens – Hörle, L. Plötzky

Schiedsrichter: Hasan Biyikli (VfL Hammonia)

Zuschauer: 75


besonderes Vorkommnis: Spielabbruch wegen eines Krankenwageneinsatzes (90.+3).

Freude über wertlose Tore? Der HFV muss nun über eine mögliche Neuansetzung entscheiden.






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