Holsatias Reifeprüfung
Junge
Wilde überrennen den Rivalen und machen hinten dicht
Kreisklasse gegen Kreisliga – was sich für Außenstehende wie die Prophezeiung
eines unansehnlichen Gestolperes liest, elektrisierte die Fußballszene
Elmshorns für einen (Lotto-)Pokaltag, der die Rivalität zwischen Holsatia und
der SV Lieth um ein kurioses Kapitel erweitern sollte. Mit 4:2 spülte der
Klassenniedrigere, der aber spielerisch keiner ist, den Bezirksligaabsteiger
von seinem üppig mit Fans und Schaulustigen gesäumten Walther-Poser-Platz!
Begonnen hatte das Lokalduell um den Zweitrundeneinzug allerdings überhaupt
nicht nach Plan der jungen Wilden, von denen die meisten Blau-weiß-schwarz im
Vorjahr in der U19-Oberliga repräsentierten. Über rechts spielte Lukas Brant
seine Dynamik zur Hereingabe aus, in die Verteidiger Jan Dieckhoff wie ein ungebremster
Güterzug zum Eigentor geriet (6.).
Mit dem Tempo eines ICEs reagierte Holsatia jedoch genau richtig, indem Ben
Kellner eine Fackel aus 20 Metern ausgleichend einschlagen ließ (10.). Im Mai
noch als „Liether Löwe“ mit in die Kreisliga relegiert, zahlte sich der
Transfer ins Team des Brüderchens schon jetzt vollends aus, zumal die
Hausherren just nachlegten, als der agile Nick Schneider beim Torschuss
abfälschende Hilfe durch Julien Duffke vorfand und die Partie damit binnen zwei
Spielminuten gedreht war (11.).
Der Elf von Thorben Pingel, der letzten Sommer im Groll bei Holsatia
ausgeschieden war und durch die folgende Umsiedlung seiner Kader von erster und
zweiter Herren nach Klein Nordende eine Stunde Null für den Männerturnverein
einläutete, ging das alles viel zu schnell.
So auch Schneiders nächste Tempoaktion über links, mitsamt langer Flanke auf
Niklas Viera Gerkens. Die Demütigung eines zweiten Gegentors durch einen
Sommerabgang blieb Rot-schwarz hier immerhin erspart (18.)…
Da legten sie sich das dritte Ding lieber selbst ins Nest, ballerten sich die
Herren Duffke und Rudek im Strafraum gegenseitig ab. Eine Slapstickeinlage
zwischen Schadenfreude und Bestürzung (26.). 3:1.
Auch nicht viel seriöser verkaufte sich Lieths Defensivverbund bei einem weiten
Schlag von Holsatia-Fänger Luca Goike, störten sich zwei Mann gegen den clever
weiterleitenden Marques Schwarz gegenseitig, sodass Kilian Jändling gar auf 4:1
erhöhen durfte (40.). Und sogar ein fünfter Treffer lag noch vor dem kühlenden
Pausengetränk in der Luft, als Kapitän Luca Joneleit aus der zweiten Reihe
knapp zu hoch abdrückte (45.). Holsatia wie im Rausch; Glück im Unglück dagegen
für die weitgehend überforderte SVL, der die Hereinnahmen der physisch
präsenten Joel Tündermann und Kilian Weers zum zweiten Abschnitt ebenso
guttaten, wie B. Kellners hartes Einsteigen gegen Christian Kuhlmann, für das
Schiedsrichter Andreas Voß (VfL Pinneberg) kurzerhand per roter Karte für eine
grundveränderte Spielstatik sorgte (47.).
Der Kreisklassist von da an nämlich tief hinten drin, verzichtete fortan auf
Ballbesitz, während die Spielvereinigung ihre Druckphase mit einem strammen
Weers-Geschoss unterstrich. Goike fischte das Leder allerdings phantastisch aus
dem Winkel (51.), ehe er auch bei einer Doppelchance für Max Schulz und Jan
Schiebuhr seine Finger rettend ins Geschehen brachte (53.).
Den Liethern lief damit so langsam die Zeit davon. Drei Tore waren trotz der
Überzahl schon eine Menge Holz. Erst 20 Minuten vor dem Ende machte Schulz mit
seiner Qualität im (Ab-)Zug nach innen weiteren Boden gut. Das flache 4:2 am
Ende aber doch nur noch Ergebniskosmetik, weil der folgerichtig eingewechselte
Florian Ballner mit links verfehlte (83.) und Goike einen Kuhlmann-Freistoß
fachgerecht ins Tor-Aus lenkte (85.). Ansonsten verteidigten die zehn Holsaten
ihren Laden trotz (zu) wenig Entlastung mit Köpfchen und Leidenschaft. Der
Zweitrundeneinzug daher in Summe auch verdient. Ein Festtag, wie man ihn in
Stimmung und Zuschauerzuspruch schon lange nicht mehr an der Wilhelmshöhe
erlebt hat. Wer auch immer als Gegner für Runde zwei in anderthalb Wochen
zugelost wird: Diese spielstarke, begeisterungsfähige – und nun auch stresserprobte
– Truppe muss man erstmal schlagen!
Holsatia im EMTV: Goike – Dieckhoff, Yörük, Hodorff (88. T.
Kellner), Schneider – Viera Gerkens (46. Hinterthaner), B. Kellner, Bjane,
Joneleit – Jändling (76. Öncan), Schwarz (88. Kummert), Trainer: Bent Vieth
SV Lieth: D: Diedrigkeit – Duffke (70. Ballner), F. Rudek (46.
Tündermann), M. Schuchhardt, Dickenhausen (46. K. Weers) – Boelter (70.
Schröder), Busse (79. Hajdari) – Brant, Kuhlmann, Max Schulz – Schiebuhr,
Trainer: Thorben Pingel
Tore: 0:1 Dieckhoff (6., Eigentor, Brant), 1:1 B. Kellner (10.), 2:1
Schneider (11.), 3:1 Duffke (26., Eigentor), 4:1 Jändling (40., Schwarz), 4:2
Max Schulz (70.)
gelbe Karten: Joneleit, Schneider, Kummert, Bjane – Schröder, D.
Diedrigkeit
rote Karte: B. Kellner (47., grobes Foulspiel an Kuhlmann)
Schiedsrichter: Andreas Voß (VfL Pinneberg)
Zuschauer: 220
Samstag, 8. August 2026
Spielbericht Holsatia im EMTV - SV Lieth
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
.jpg)








Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen