Samstag, 8. August 2026

Spielbericht Holsatia im EMTV - SV Lieth

Holsatias Reifeprüfung
Junge Wilde überrennen den Rivalen und machen hinten dicht

Kreisklasse gegen Kreisliga – was sich für Außenstehende wie die Prophezeiung eines unansehnlichen Gestolperes liest, elektrisierte die Fußballszene Elmshorns für einen (Lotto-)Pokaltag, der die Rivalität zwischen Holsatia und der SV Lieth um ein kurioses Kapitel erweitern sollte. Mit 4:2 spülte der Klassenniedrigere, der aber spielerisch keiner ist, den Bezirksligaabsteiger von seinem üppig mit Fans und Schaulustigen gesäumten Walther-Poser-Platz!
Begonnen hatte das Lokalduell um den Zweitrundeneinzug allerdings überhaupt nicht nach Plan der jungen Wilden, von denen die meisten Blau-weiß-schwarz im Vorjahr in der U19-Oberliga repräsentierten. Über rechts spielte Lukas Brant seine Dynamik zur Hereingabe aus, in die Verteidiger Jan Dieckhoff wie ein ungebremster Güterzug zum Eigentor geriet (6.).
Mit dem Tempo eines ICEs reagierte Holsatia jedoch genau richtig, indem Ben Kellner eine Fackel aus 20 Metern ausgleichend einschlagen ließ (10.). Im Mai noch als „Liether Löwe“ mit in die Kreisliga relegiert, zahlte sich der Transfer ins Team des Brüderchens schon jetzt vollends aus, zumal die Hausherren just nachlegten, als der agile Nick Schneider beim Torschuss abfälschende Hilfe durch Julien Duffke vorfand und die Partie damit binnen zwei Spielminuten gedreht war (11.).
Der Elf von Thorben Pingel, der letzten Sommer im Groll bei Holsatia ausgeschieden war und durch die folgende Umsiedlung seiner Kader von erster und zweiter Herren nach Klein Nordende eine Stunde Null für den Männerturnverein einläutete, ging das alles viel zu schnell.
So auch Schneiders nächste Tempoaktion über links, mitsamt langer Flanke auf Niklas Viera Gerkens. Die Demütigung eines zweiten Gegentors durch einen Sommerabgang blieb Rot-schwarz hier immerhin erspart (18.)…
Da legten sie sich das dritte Ding lieber selbst ins Nest, ballerten sich die Herren Duffke und Rudek im Strafraum gegenseitig ab. Eine Slapstickeinlage zwischen Schadenfreude und Bestürzung (26.). 3:1.
Auch nicht viel seriöser verkaufte sich Lieths Defensivverbund bei einem weiten Schlag von Holsatia-Fänger Luca Goike, störten sich zwei Mann gegen den clever weiterleitenden Marques Schwarz gegenseitig, sodass Kilian Jändling gar auf 4:1 erhöhen durfte (40.). Und sogar ein fünfter Treffer lag noch vor dem kühlenden Pausengetränk in der Luft, als Kapitän Luca Joneleit aus der zweiten Reihe knapp zu hoch abdrückte (45.). Holsatia wie im Rausch; Glück im Unglück dagegen für die weitgehend überforderte SVL, der die Hereinnahmen der physisch präsenten Joel Tündermann und Kilian Weers zum zweiten Abschnitt ebenso guttaten, wie B. Kellners hartes Einsteigen gegen Christian Kuhlmann, für das Schiedsrichter Andreas Voß (VfL Pinneberg) kurzerhand per roter Karte für eine grundveränderte Spielstatik sorgte (47.).
Der Kreisklassist von da an nämlich tief hinten drin, verzichtete fortan auf Ballbesitz, während die Spielvereinigung ihre Druckphase mit einem strammen Weers-Geschoss unterstrich. Goike fischte das Leder allerdings phantastisch aus dem Winkel (51.), ehe er auch bei einer Doppelchance für Max Schulz und Jan Schiebuhr seine Finger rettend ins Geschehen brachte (53.).
Den Liethern lief damit so langsam die Zeit davon. Drei Tore waren trotz der Überzahl schon eine Menge Holz. Erst 20 Minuten vor dem Ende machte Schulz mit seiner Qualität im (Ab-)Zug nach innen weiteren Boden gut. Das flache 4:2 am Ende aber doch nur noch Ergebniskosmetik, weil der folgerichtig eingewechselte Florian Ballner mit links verfehlte (83.) und Goike einen Kuhlmann-Freistoß fachgerecht ins Tor-Aus lenkte (85.). Ansonsten verteidigten die zehn Holsaten ihren Laden trotz (zu) wenig Entlastung mit Köpfchen und Leidenschaft. Der Zweitrundeneinzug daher in Summe auch verdient. Ein Festtag, wie man ihn in Stimmung und Zuschauerzuspruch schon lange nicht mehr an der Wilhelmshöhe erlebt hat. Wer auch immer als Gegner für Runde zwei in anderthalb Wochen zugelost wird: Diese spielstarke, begeisterungsfähige – und nun auch stresserprobte – Truppe muss man erstmal schlagen!

Holsatia im EMTV: Goike – Dieckhoff, Yörük, Hodorff (88. T. Kellner), Schneider – Viera Gerkens (46. Hinterthaner), B. Kellner, Bjane, Joneleit – Jändling (76. Öncan), Schwarz (88. Kummert), Trainer: Bent Vieth

SV Lieth: D: Diedrigkeit – Duffke (70. Ballner), F. Rudek (46. Tündermann), M. Schuchhardt, Dickenhausen (46. K. Weers) – Boelter (70. Schröder), Busse (79. Hajdari) – Brant, Kuhlmann, Max Schulz – Schiebuhr, Trainer: Thorben Pingel

Tore: 0:1 Dieckhoff (6., Eigentor, Brant), 1:1 B. Kellner (10.), 2:1 Schneider (11.), 3:1 Duffke (26., Eigentor), 4:1 Jändling (40., Schwarz), 4:2 Max Schulz (70.)

gelbe Karten: Joneleit, Schneider, Kummert, Bjane – Schröder, D. Diedrigkeit

rote Karte: B. Kellner (47., grobes Foulspiel an Kuhlmann)

Schiedsrichter: Andreas Voß (VfL Pinneberg)

Zuschauer: 220










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