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Samstag, 6. Juni 2026

Spielbericht SG Aufbau Boizenburg - VfB Goldenstädt

Aufgestiegen und keiner merkt´s
Schlussphasen-Drama: Landesliga-Rückkehr nach vier Jahren im direkten Duell

So richtig klar war es ihnen offenbar selber nicht, doch wer rechnen kann und die Liste der Aufstiegsverzichtler in der Landesklasse IV Mecklenburg-Vorpommern kennt, kam um eine Erkenntnis nicht hinweg: die SG Aufbau Boizenburg ist aufgestiegen!
Angepriesen als Duell des Zweiten (47 Punkte) gegen den Dritten (46) erfuhr das Heimspiel gegen den VfB Goldenstädt schon im Vorfeld eine weitere Aufwertung, verlor Spitzenreiter Blau Weiß Polz (49) seinen Spitzenplatz aufgrund eines Sechs-Punkte-Abzugs wegen nicht erfülltem Schiri-Solls.
Zudem hatten alle rechnerisch möglichen Aufsteiger bis auf die heutigen Kontrahenten ohnehin bereits ihren Verzicht auf die Landesliga-Promotion beim Verband eingereicht. Ein schräges Szenario, das irgendwie kaum jemand in Gänze vor Augen zu haben schien. Viel wichtiger war ja eh das eigene Abschneiden auf der grünen Wiese des während der Halbzeitpause feierlich in Günter Ferber Arena (Ex-Vereinspräsident und seit 66 Jahren im Club) umbenannten Stadions am Fliesenwerk. Dort dauerte es keine 45 Sekunden, ehe die Hausherren bereits drei Torschüsse zu verzeichnen hatten. Gleich dreimal scheiterte Hendrik Krause frei an VfB-Tormann Christian Held, der seinem Nachnamen freilich alle Ehre machte.
Sein Gegenüber brauchte dagegen erstmal nicht einzugreifen. Jan-Christoph Israels Kopfball nach hohem Sabas-Freistoß hob sich nämlich nicht nur über Felix Lamer, sondern auch über dessen Gehäuse (27.).
Viel Intensität – wenig Torchancen. Durchaus folgerichtig steuerte das Match auf einen torlosen Halbzeitstand zu, bis Israel einen steilen Ball, die Linie runter, komplett unterschätzte und Gegenspieler Joel Taege das Leder noch an der Grundlinie erlief. Ab in den Rückraum damit, denn dort stand Noa Rogosch schon zum platzierten Abschluss ins linke untere Eck bereit (41.).
Ein Treffer, der einiges an Aufbaus Anspannung abfallen ließ. Deutlich befreiter hatte der überlegene Auftritt fortan gewirkt. Einziges Problem dabei: das fehlende 2:0.
Gelegenheiten, dieses zu erzielen, boten sich Taege und Co zweifellos genügende. Der früh für den oberschenkelgezerrten Krause gekommene Joker (19.) selbst, vergab aus großzügiger Strafraumposition per Kopf (47.), während Frido Albrecht einen Überzahlangriff von halblinks nicht ins Ziel brachte (72.). Ein Krampf störte bei freier Schussbahn…
Weitere Topchancen, von denen erneut Taege die klarste im schrägen Lauf auf den Kasten ausließ (84.), versprachen den Boizenburgern mehr als durch sie letztlich einfuhren, sodass die Gäste mit dem arg an Bayer Leverkusen erinnernden Wappen tatsächlich weiter in der Partie blieben.
Und kaum war das Maß an Torgefahr über dem einer Halbchance hinausgegangen, segelte Marco Barths Freistoß mit links, über die Mauer hinweg, ins rechte obere Eck – 1:1 (87.)!
Dahin war Einheits vorzeitiger Aufstieg und die Goldenstädter wieder bis auf einen Zähler dran – bis drüben wieder Rogosch die Dinge an sich nahm und nur Augenblicke nach dem Wiederanstoß von halblinks die kurze Ecke zur erneuten Führung traf (89.). Ekstase bei allen, die es mit den Platzherren hielten! Der gesamte Kader im Freudentaumel auf dem Rasen. Ob befugt oder nicht, interessierte im Nachgang nur den Schiedsrichter…
Der Kontrahent dagegen abermals gefordert, warf für die fünf angezeigten Extraminuten nochmal alles nach vorne. Ein Umstand, den die chancenverschwenderischen Boizenburger unterdessen vorne nicht für sich genutzt bekamen. So hätte Israel vom Gegentor-Stümper zum großen Retter werden können, wenn sein guter Versuch aus der Drehung nicht aufs Tor-Dach gesegelt wäre (90.+4).
Ein letzter, langer Panahi-Einwurf – abgeköpft und mit Javid Jafaris gewonnenem Defensivzweikampf war es dann geschafft! Meister der Landesklasse IV 2025/2026: die SG Aufbau Boizenburg!
Ob der dafür eher zurückhaltende Jubel auf mecklenburgische Zurückhaltung oder die Unkenntnis über das vollbrachte Aufstiegswerk zurückzuführen ist? Am Sonntag war durch die 2:4-Schlappe der SG Carlow in Schönberg dann auch die Meisterschaft in trockenen Tüchern. Bevor es gemeinsam mit dem FC Seenland Warin und dem SV Pastow II, sowie dem noch zu ermittelnden Meister der Staffel II, in die siebthöchste Spielklasse geht, steht noch das Schaulaufen am Finalspieltag bei der SG Groß Stieten an.

Tore: 1:0 Rogosch (41. Taege), 1:1 Barth (87., direkter Freistoß), 2:1 Rogosch (89.)

Schiedsrichter: Michael Bernowitz (Rodenwalder SV)

Zuschauer: 351